Wendemanöver Man setzte die rote Mütze schon als Kinder uns auf, wir wussten nichts zu klagen, sie passte. Und waren die Maschen mal gar zu straff, dann nahm man sie ab und kratzte.
Man trug sie wie alle jahraus und jahrein, kaum einer, der diese Farbe nicht wählte. Nur in den eigenen 4 Wänden, da trug man sie nicht, weil das enge Gestrick zu sehr quälte.
Dann träumte man heimlich von schwarz, rot und gold, von Grenzen ganz ohne Kontrollen. Doch es waren nur Träume, sie spielten im Leben überhaupt keine Rolle.
Mitunter war die Farbe der Mütze verwischt, und die Maschen zogen sich fester. Dann drehte und zurrte man so lang, bis an den Kopf sie sich presste.
Nun war die Einheit wieder vollbracht, für eine Weile passten zusammen, die Farbe, das enge Gestrick und der Kopf, nur hielt dies nicht allzu lange.
Denn nichts auf der Welt hat ewigen Bestand, schon gar nicht, was nur erzwungen, und so fraßen die Motten sich heimlich durchs Garn, bis das leuchtende Rot war verschwunden.
Die Farbe wurde gewechselt sehr schnell, man hat sich für schwarz entschieden. Die Mützen setzte schnell man um, die Köpfe allerdings blieben.
So nimmt denn die Mode ihren Lauf, Marionetten hats immer gegeben. Ob bei Wilhelm, bei Adolf, bei Erich oder Kohl,, jeder kämpft nur um sein eigenes Wohl.
Doch ein kleines bisschen tut es schon weh, dass ewige Schweiger nun sprechen, sie hätten seit Jahren schon schweigend gesagt, Farbenzwang sei ein Verbrechen.
Auch sie trugen Mützen, erst rot, jetzt schwarz, sie lebten oft schweigend von denen, die damals und heute den Mund aufgemacht, gegen erzwungene Mode kämpften.
Doch setzt man gar keine Kappe auf, so ist man erst recht verloren. Denn Ämter und Funktionen werden nur nach Farbe gestaffelt geboten.
So war es seit jeher, seit Menschengedenken, nur schnell genug muss man sein. Dann stellen sich mit der Farbe zugleich auch Gesinnung und Arbeitsplatz ein.
Frisch auf nun gewechselt, mal schwarz, rot und grün, nur lasst eure Maske nicht fallen! Denn zieht man sie einmal vom Gesicht, das - Brüder, Genossen und Freunde, das übersteht ihr nicht!
1991 Gisa Neumann
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