Für Helmut Richter Er saß an unserem Tisch und trank von unserem Wein und kannte unsere Gedanken. Oft kam er allein, manchmal auch mit Frau, es gab bei uns keine Schranken.
Wir reisten viel, tauschten Gedanken aus, er kannte genau unser Leben. Unsere Familie, glaub ich, mochte ihn, es war ein Nehmen und Geben.
Er war uns ein Freund und wusste dies auch, er hatte Zugang zu allen Zeiten- zu unserem Haus und zu unserem Glück, oh könnt ich zurück drehn die Zeit, nur ein Stück!
Wo wir gemeinsam bei einem Glas Wein die Zukunft passieren ließen und in fröhlicher Runde mit unserem Freund auf Recht und Freiheit anstießen.
Die Jahre gingen hin, manchmal sahen wir uns und gedachten der früheren Zeiten. Vom „großen Kuchen“ bekamen wir nichts, unser Leben verlief eher bescheiden.
Und wie wir uns auch mühten in unserem Beruf, wir schafften es einfach nicht weiter, es war, als fehlten einige Sprossen in unsrer beruflichen Leiter.
Heute weiß ich den Grund Und will es einfach nicht fassen, doch die Wahrheit steht in den Akten. Mit Bildern belegt bis ins kleinste Detail- unser Leben in Fotos und Fakten.
Der Freund, der Vertraute, der an unserem Tisch mit uns den Wein getrunken- Seine Freundschaft und sein offenes Gesicht waren erlogen und erstunken.
Eine Wanze trug er wohl als Schmuck bei sich, wir lasen unsere Gedanken, die uns vor dreißig Jahren und mehr mit unserem Freund verbanden.
Unsere innersten Träume konnten wir lesen, mit vielen Fotos dabei, er schluckte über Jahre den Judaslohn und fühlte sich dabei sicher und frei.
Oh wie elend muss ein solcher Mensch sein, der die Freunde hat ständig verraten, denk ich die lange Zeit zurück, ich könnte in Wut geraten!
Und kommst du mir im Traum mal ein, Frank Müller, was bist du so mies! Ich glaube, ich lege an- im Traum- Ich lege an und schieß!
03.08.1993 Gisa Neumann
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