Nur Traurigkeit fühlt ich in mir Lehrer zu sein, war schon lange mein Traum, dies zu erreichen aber war schwer, erst ein Beruf, dann ein Studium danach, viele Jahre blieb das Portemonnaie leer.
Doch endlich kam der Tag heran, wo vor Kindern ich stand und sie führte, wo die Freude von ihnen und von mir täglich sich berührten.
Ihr Lachen, ihre Tränen, ihr Kummer ihr Leid, kaum eines blieb mir verborgen, ich teilte mit ihnen das Leben von mir und erzog sie so für das Morgen.
Nicht Marionetten sollten sie sein, auch Kopfnicker mocht ich nicht leiden, gemeinsam übten wir in Deutsch, um Recht und Unrecht zu streiten.
Dies ging soweit, dass Lehrer sogar im Meinungsstreit mussten bestehen, dass sie, um selbst zu lernen dabei, Rede und Antwort mussten stehen.
Nicht immer ging alles problemlos vorbei, dies wäre ja sonst keine Schule, doch manchmal genügte schon ein Blick, und ein Streichen über den Kopf brachte Ruhe.
So wurden sie groß, die Liebe kam, klopfte sanft an verschämte Herzen, mitunter war man Beichtmutter noch, kindliches Lachen wich groben Scherzen.
Der Abschied kam, sie gingen hinaus ins Leben, ein Teil meines Ichs - ein Großer Teil denkt gern zurück, sie schreiben und besuchen mich.
Dann weiß ich, nicht alles war so schlecht, wie man heute den Vorwurf uns macht. Ich glaube auch, nicht wir Lehrer allein haben den Sozialismus gemacht.
Als Nichtgenosse Direktor zu sein, das war mein einziger Makel, es war ein Schwimmen gegen den Strom, ein Wandern am Rand eines Kraters.
Dreißig Jahre empfand ich das Glück, für Schüler ein Partner zu sein, nun soll ich aus „Mangel an persönlicher Eignung“ nicht mehr in meine Schule hinein.
Es verletzen diese Worte mein Innerstes tief, sie verhöhnen und schmähen mich sehr, die Tränen, die sind längst versiegt, nur Traurigkeit fühlt ich in mir …
07.02.1992 Gisa Neumann
Nachtrag:
Die Anhörung ist vorbei, die Gottheiten haben gesprochen, nach langen vier Wochen wurde festgestellt: kann bleiben, hat nicht genügend verbrochen.
Der Unterricht geht weiter wie zuvor, kaum einer spricht noch darüber, doch was im Inneren zerbrach, darüber schweig ich lieber.
Die Würde des Menschen ist unantastbar, warum kommen diese Worte mir stets in den Sinn? Wusste ich nicht, dass ich in einem Staat mit großzügiger Verfassung bin?
Kann ich nicht glücklich sein, wieder lehren zu dürfen, wieder vor Schülern zu stehn? NEIN - es schmerzen die vielen Kollegen, die nun ohne Hoffnung vor dem Arbeitsamt stehn.
Und die uns gerichtet und „sauber“ sich dünkten, konnte man unlängst an Margots Seite noch finden. Persönlich jubelten sie zum Pädagogischen Kongress Und sitzen richtend in ihrem Sessel fest.
13.3.1993 Gisa Neumann
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